Myofasziales Taping nach Erhard


Methode für Therapie, Prävention und Leistungssteigerung

 

 

Markus Erhard

 

Markus Erhard hat seine Methode des myofaszialen Tapings 2006 entwickelt.

Er erläutert Ihnen in diesem Artikel Wirkungsgrundlage und Technik – veranschaulicht anhand der Beschreibung der konkreten Anwendung bei unspezifischem lumbalem Rückenschmerz.

 

Wirkungsgrundlagen

 

Myofasziale Balance

Gesunde Haltung, gut koordinierte, schmerzfreie Bewegung und effiziente Muskelarbeit hängen sehr stark von der myofaszialen Spannung ab. Das Kernziel von myofaszialen Releasetechniken (MRT), also Techniken zum Lockern und Lösen, ist die Herstellung einer Balance innerhalb des myofaszialen Systems. Aufgrund der spezifischen Reizung  beziehungsweise Ansteuerung durch die Tapeanlage des Autors wird Fasziengewebe mechanisch verschoben. Die Faszienrezeptoren werden in Bezug auf ihre Reizschwelle und auf die daraus resultierende Reizantwort beeinflusst.

 

Faszienforschung

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass Faszien eine weitaus wichtigere Rolle im Körper spielen als bisher angenommen (s. Kasten nächste Seite). Die myofasziale Tapingmethode wurde vom Autor auf Basis dieser neuen Forschungsergebnisse entwickelt. Die »Philosophie«, die Herangehensweise, die Diagnostik und schließlich die Techniken sind neu und nicht mit bekannten kinesiologischen Tapingmethoden (Kinesiologisches Taping, Kinesiology Taping, etc.) vergleichbar – obwohl die Anlagen auf den ersten Blick oft schwer von diesen zu unterscheiden sind.

 

Spezifische Reizung der Faszienrezeptoren

Grundlage der Tapingmethode des Autors ist die differenzierte Reizung der Faszienrezeptoren, das Wissen über deren Lokalisation als auch deren Unterscheidungsmerkmale.

Durch Anwendung dieser faszienspezifischen Behandlungsmethode können Bewegungseinschränkungen und in den häufigsten Fällen der Schmerz deutlich reduziert, oft sogar ganz eliminiert werden. Ein solcher Behandlungserfolg wird nach den Erfahrungen des Autors oft bereits innerhalb der ersten Behandlungssitzung erreicht. Abhängig von der Komplexität der Zusammenhänge und der zu behandelnden Struktur kann der Bedarf an Behandlungssitzungen für langfristige Ergebnisse variieren.

 

Schmerzreduktion und -kontrolle

Myofaszien sind untrennbar miteinander verknüpfte Einheiten von Muskelgewebe (myo-) und dem umgebenden bindegewebigen Netzwerk, den Faszien (3). Um funktionelle Zusammenhänge des Körpers, Bewegungen und Schmerzen zu verstehen, sollten Muskeln nie isoliert, das heißt ohne das umgebende Fasziennetz betrachtet werden.

 

Die »Mechano-Faszienrezeptoren« arbeiten als Propriozeptoren, um den Körper über Position, Bewegung und Schmerzen zu informieren (9). Jede Bewegung verändert die Spannung im Fasziennetz. Da das Fasziengewebe alle Körperteile, Muskeln, Muskelbündel, Muskelfasern und Organe umgibt und verbindet, stellt es ein ultimatives sensorisches Aufnahme-beziehungsweise Kontrollorgan dar – wie ein Hochleistungsrechner, der die kleinste Änderung von Spannung, Druck und Schmerz innerhalb des Systems überwacht und dem übergeordneten »zentralen Rechenzentrum« meldet.

 

Mit einer circa zehnfach höheren Dichte sensorischer Rezeptoren als in der Muskulatur zählt das Fasziennetz zu einem unserer größten Sinnesorgane (8). Zu den Rezeptoren des Fasziengewebes gehören: 1. Golgi-Rezeptor, 2. Ruffini-Rezeptor,  3. Vater-Pacini-Rezeptor, 4. Interstitieller Muskelrezeptor.

 

 

Faszie ändert sich entsprechend der Anforderungen und Kraft der sie ausgesetzt ist (10)

 

Rolle der Faszien
1. Schmerz und Schmerzgenerierung (1, 2)
2. Haltung (3)
3. Bewegung (4)
4. Kraftweiterleitung und Kraftverteilung (2, 3, 5, 6)
5. Propriozeption (7, 8)
6. sportliche Leistungsfähigkeit

 

 

 

Literatur (betrifft nur Seite 1 des Artikels)


1. Panjabi MM. 2006. A hypothesis of chronic back pain: ligament sub failure injuries lead to muscle control dysfunction. Eur. Spine J. 15, 5:668–76


2. Schleip R, Zorn A, Lehmann-Horn F, Klingler W. 2010. The fascial network: an exploration of ist load bearing capacity and its potential role as a pain generator. In Proceedings of the 7th Interdisciplinary World Congress on Low Back & Pelvic Pain, ed. A Vleeming, et al. Los Angeles

 

3. Myers T. 2009. Anatomy Trains: Myofascial Meridians for Manual and Movement Therapists. New York: Churchill Livingston

 

4. Schleip R, Müller DG. 2012. Training principles for fascial connective tissues: Scientific foundation and suggested practical applications. Journal of Body & Movement Therapies 17, 1:103–15

 

5. Huijing PA. 2007. Epimuscular myofascial force transmission between antagonistic and synergistic muscles can explain movement limitation in spastic paresis. Journal of Biomechanics 17, 6:708–24

 

6. Franklyn-Miller A, et al. 2009. The Strain Pattern of the Deep Fascia of the Lower Limb. http://www.fasciacongress.org/2009/abstract_pdf/J_109%20franklyn-miller%20strain%20patterns%20of%20%5B1%5D..EDitedPH.pdf; Zugriff am 25.8.2014

 

7. Stecco A, Macchi V, Masiero S, Porzionato A, Stecco C, et al. 2009. Pectoral and femoral fasciae: common aspects and regional specializations. Surgical and Radiologic Anatomy 31:35–42

 

8. Van der Wal J. 2009. The architecture of the connective tissue in the musculoskeletal system: An often overlooked functional parameter as to proprioception in the locomotor apparatus. In Fascia Research II: Basic Science and Implications for Conventional and Complementary Health Care, ed. PA Hujing, et al. München: Elsevier

 

9. Schleip R. 2003. Fascial plasticity – a new neurobiological explanation. J. Bodyw. Mov. Ther. 7, 1:11–9

 

 

10. Chen CS, et al. 1997. Geometric control of cell life and death. Science 276, 5317:1425–8

 

 

 

Hier ist der ganze Artikel erhältlich:

 

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